Drei starke Frauen auf Samos

Samos, die grüne Insel in der östlichen Ägäis, ist bekannt für ihren Wein, ihre antiken Stätten und ihre Nähe zur türkischen Küste. Doch was die Insel wirklich ausmacht, sind ihre Menschen. Bei meinen Besuchen bin ich drei Frauen begegnet, deren Geschichten mich nicht mehr losgelassen haben.

Maria: Die Winzerin von Manolates

Im Bergdorf Manolates, wo die Gassen so eng sind, dass kein Auto hindurchpasst, betreibt Maria eine kleine Kellerei. Ihr Vater hatte den Weinberg vor fünfzig Jahren angelegt, ihre Brüder sind längst nach Athen gezogen, doch Maria blieb.

„Der Wein braucht jemanden, der ihn versteht", sagt sie, während sie mir einen Glas ihres Muskat einschenkt. Die Reben wachsen auf Terrassen hoch über dem Meer, die Trauben werden noch von Hand gelesen.

Ihr Wein gewinnt keine Preise, steht in keinem Supermarkt. Aber wer ihn einmal probiert hat, vergisst ihn nicht. Maria ist mittlerweile über siebzig, doch von Aufhören will sie nichts wissen.

Eleni: Die Lehrerin im Ruhestand

Eleni war vierzig Jahre lang Grundschullehrerin in Pythagorio. Als sie in Rente ging, fiel sie in ein Loch. Ihre Schüler fehlten ihr, die Struktur, der Sinn.

Dann kamen die Flüchtlinge. Samos wurde zu einem der Brennpunkte der Migrationskrise. Eleni sah die Kinder im Lager, sah ihre Angst, ihre Langeweile, ihr Potenzial.

Heute unterrichtet sie ehrenamtlich im Flüchtlingslager. Lesen, Schreiben, ein bisschen Griechisch. „Bildung ist der Schlüssel", sagt sie. „Diese Kinder haben alles verloren, aber niemand kann ihnen nehmen, was sie im Kopf haben."

Despina: Die Tavernenbesitzerin

Despinas Taverne liegt in Kokkari, direkt am Meer. Als ihr Mann vor zehn Jahren starb, rieten ihr alle, das Lokal zu verkaufen. Eine Frau allein, in der Gastronomie – das schaffe man nicht.

Despina schaffte es. Sie steht jeden Morgen um fünf auf, um den Fisch frisch vom Kutter zu holen. Sie kocht nach den Rezepten ihrer Großmutter, lehnt jedes Angebot ab, die Taverne an eine Hotelkette zu verkaufen.

„Hier hat mein Vater geheiratet, hier wurden meine Kinder getauft", erklärt sie. „Manche Dinge sind mehr wert als Geld."

Was diese Frauen verbindet

Maria, Eleni und Despina kennen sich nicht. Sie leben in verschiedenen Teilen der Insel, führen verschiedene Leben. Und doch verbindet sie etwas: Eine Stärke, die nicht laut ist, nicht prahlerisch, aber unerschütterlich.

Es ist diese Stärke, die Griechenland durch die Krisen der letzten Jahre getragen hat. Nicht die Politiker, nicht die Banker – sondern Menschen wie Maria, Eleni und Despina. Menschen, die nicht aufgeben, die ihre Traditionen bewahren und gleichzeitig offen bleiben für das Neue.

„Reisen heißt nicht nur, Orte zu sehen. Reisen heißt, Menschen zu begegnen. Und manchmal sind diese Begegnungen wertvoller als jede Sehenswürdigkeit."

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