Zwischen Kos und Rhodos liegt eine der am wenigsten besuchten Inseln des Dodekanes: Tilos. Was diese kleine Insel so besonders macht? Hier wurden die Überreste von Zwergelefanten gefunden, die vor etwa 45.000 Jahren auf der Insel lebten. Eine Entdeckung, die Tilos zu einem einzigartigen Ort der griechischen Inselwelt macht.
Die sensationelle Entdeckung
Im Jahr 1971 machte der griechische Paläontologe Nikolaos Symeonidis in der Charkadio-Höhle eine Entdeckung, die die wissenschaftliche Welt in Staunen versetzte: Fossilien von Zwergelefanten, die einst auf Tilos heimisch waren. Die Tiere, wissenschaftlich als Palaeoloxodon tiliensis bezeichnet, erreichten eine Schulterhöhe von nur etwa 1,20 bis 1,50 Metern.
Diese Zwergelefanten sind ein faszinierendes Beispiel für die sogenannte Inselverzwergung – ein evolutionäres Phänomen, bei dem große Säugetiere auf Inseln im Laufe von Jahrtausenden schrumpfen, um sich an die begrenzten Ressourcen anzupassen.
Die Charkadio-Höhle
Die Charkadio-Höhle, in der die Elefantenfossilien entdeckt wurden, liegt im Nordosten der Insel. Obwohl sie für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist, können Besucher im kleinen Museum von Megalo Chorio Repliken und Informationen zu den Funden bestaunen.
Die Höhle selbst erstreckt sich über mehrere hundert Meter und birgt vermutlich noch weitere paläontologische Schätze. Wissenschaftler vermuten, dass die Elefanten die Höhle als Zufluchtsort nutzten und dort starben, als die Nahrung auf der Insel knapp wurde.
Tilos heute: Ein Naturparadies
Abgesehen von ihrer prähistorischen Bedeutung ist Tilos ein wahres Paradies für Naturliebhaber. Die Insel wurde als erste griechische Kommune komplett auf erneuerbare Energien umgestellt und gilt als Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit.
Mit nur etwa 500 Einwohnern bietet Tilos eine Ruhe, die auf den größeren Nachbarinseln längst verloren gegangen ist. Hier gibt es keine All-Inclusive-Resorts, keine Partymeilen – nur authentisches griechisches Inselleben.
Was Tilos zu bieten hat
- Unberührte Strände: Eristos Beach gilt als einer der schönsten Strände der Dodekanes
- Wanderwege: Über 30 markierte Pfade führen durch die bergige Landschaft
- Vogelbeobachtung: Die Insel ist ein wichtiger Rastplatz für Zugvögel
- Byzantinische Kirchen: Über 200 kleine Kapellen verteilen sich über die Insel
- Verlassene Dörfer: Mikro Chorio, das "kleine Dorf", wurde in den 1950ern aufgegeben
Anreise nach Tilos
Die Anreise nach Tilos erfolgt per Fähre von Rhodos oder Kos aus. Die Überfahrt von Rhodos dauert etwa zwei bis drei Stunden, je nach Fähre und Zwischenstopps. Es gibt keinen Flughafen auf der Insel, was zum Charme von Tilos beiträgt.
Die beste Reisezeit ist von Mai bis Oktober, wobei der Hochsommer sehr heiß werden kann. Die Nebensaison im Frühling und Herbst bietet mildere Temperaturen und ist ideal für Wanderungen.
Unterkünfte und Verpflegung
Die Auswahl an Unterkünften auf Tilos ist überschaubar, aber charmant. Kleine Pensionen und familiengeführte Hotels in Livadia, dem Hauptort der Insel, bieten gemütliche Zimmer mit authentischer Atmosphäre.
Die wenigen Tavernen der Insel servieren frische griechische Küche – Fisch direkt vom Kutter, selbst gemachte Mezedes und natürlich den unvermeidlichen griechischen Salat mit Tomaten, die hier noch nach Tomaten schmecken.
Fazit: Eine Reise in die Vergangenheit
Tilos ist keine Insel für jeden. Wer Trubel und Unterhaltung sucht, wird hier nicht fündig. Aber wer die Ruhe schätzt, wer sich für Geschichte und Natur begeistert, wer das echte Griechenland abseits der Touristenströme erleben möchte – für den ist Tilos ein Geheimtipp.
Und vielleicht, wenn Sie durch die karge Landschaft wandern und die Stille auf sich wirken lassen, können Sie sich vorstellen, wie hier einst kleine Elefanten durch das Gebüsch stapften – ein Bild aus einer Zeit, als die Welt noch eine andere war.
„Auf Tilos spürt man, dass manche Orte existieren, um uns daran zu erinnern, wie klein wir in den Zeitläufen der Geschichte sind – und wie kostbar jeder unberührte Fleck dieser Erde."

